Kleiner Lehrgang zum Lamentobass

Im Bass des ersten Notenbeispiels ist ein diatonischer Lamentobass der Tonart a-Moll zu sehen. Er führt vom Grundton (A) bis zum Quintton (E) der Tonart:

Lamentobass Notenbeispiel 1


Die einfachste Harmonisierung beginnt mit einer grunstelligen Tonika (a-Moll) und endet mit der grundstelligen Dominante (E-Dur). Dazwischen erklingen Sextakkorde:

Lamentobass Notenbeispiel 2


Das nächste Beispiel zeigt eine Verzögerung der Oberstimme, so dass anstelle der parallelen Sextenbewegung eine 7-6-Synkopenbewegung zwischen Sopran und Bass erklingt. Die mittlere Stimme bzw. der Alt verläuft mit dem Bass in parallelen Terzen. Beispiel: Cl. Monteverdi, Lamento della Ninfa (VIII. Madrigalbuch):

Lamentobass Notenbeispiel 3


Als ›passus duriusculus‹ (lat. = ›etwas harter Gang‹) wird die Chromatisierung der Bassstimme bezeichnet. Dabei erklingen die mittleren Töne des Lamentobasses zuerst in ihrer chromatischen Variante (gis, fis) und anschließend ohne ›Verfärbung‹ bzw. Chromatik als Stammtöne (g, f). Das folgende Beispiel zeigt diese Form des Modells mit der einfachen Sextakkordharmonisierung:

Lamentobass Notenbeispiel 4


Auch zu der chromatischen Bassvariante ist anstelle der Sextenbewegung zwischen Sopran und Bass eine 7-6-Synkopenkette möglich. Diese Erscheinung des Modells ist für die Musik des 18. Jahrhunderts sehr charakteristisch:

Lamentobass Notenbeispiel 5


Wobei durch einen chromatischen Durchgang (h-cis-d) an der vierten Bassposition (fis) ein tonartenfremder fis-Moll-Klang erklingen kann. Beispiel: Wolfgang Amadeus Mozart, Messe in c-Moll KV 427, ›Qui tollis‹.

Lamentobass Notenbeispiel 5a


Bei einer weiteren Variante des Modells wird auch die Mittelstimme (Parallelführung zum Bass) chromatisiert bzw. ›gefärbt‹. Beispiel: J. S. Bach, Messe in h-Moll BWV 232.

Lamentobass Notenbeispiel 6


Dieses Beispiel zeigt eine typische Generalbassaussetzung, wobei die besondere Harmonisierung des Basses zu zahlreichen Quintbeziehungen führt (Quintbeziehungen finden sich zwischen den Harmonien H-Dur, E-Dur, A-Dur, D-Dur sowie zwischen h-halbvermindert und E-Dur):

Lamentobass Notenbeispiel 7


Eine weitere Harmonisierungsvariante lässt sich kontrapunktisch durch eine 5-6-Seitenbewegung zur Basstimme erklären. In der diatonischen Form (ohne Chromatik) ist dieses Modell nur gelegentlich und in sehr früher Musik anzutreffen. Aus dogmatischer Sicht könnten in dieser Harmonisierungsvariante die Akzentquinten als störend empfunden werden. Eine dritte Stimme verläuft in Terzparallelen zum Bass:

Lamentobass Notenbeispiel 8


Eine reizvolle Harmonisierung ergibt sich durch die Chromatisierung der Bassstimme zur 6-5-Seitenbewegung. Aus Harmonischer Perspektive entsteht ein sekundweise abwärts sequenzierter Quintanstieg, zwischen den Sequenzgliedern erklingen qerständige Harmonieverbindungen (E-Dur/G-Dur und D-Dur/F-Dur). Beispiel: J. P. Sweelick, Chromatische Fantasie; Franz Schubert, Streichquartett in G-Dur

Lamentobass Notenbeispiel 9


Eine klangliche Steigerung des Modells entsteht durch Chromatisierung der in Terzparallelen zum Bass geführten Stimme. Das Aufeinandertreffen jener Akkorde, die im Quintenturm sehr weit auseinanderliegen, darf hier als besonders reizvoll gelten. Beispiel: J. S. Bach, Golberg-Variationen (Nr. 25); W. A. Mozart, Dissonanzen-Quartett KV 465 (Einleitung); A. Bruckner, Locus iste.

Lamentobass Notenbeispiel 9


Literatur: