Die Quintfallsequenz mit Synkopenkette
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Das Wissen, dass Synkopenketten aus zwei Stimme bestehen, wobei eine konsonierend
ist und die Dissonanze auslöst (Agensstimme von lat. agere = treiben, handeln),
während die andere dissoniert (Patiensstimme von lat. pati = leidern, erdulden),
ist eine Voraussetzung für dieses Tutorial. Das folgende Beispiel zeigt das Zusammenspiel
von Agens- und Patiensstimme in Form einer 7-6-Synkopenkette:
Für die Dreistimmigkeit kommt eine weitere Stimme hinzu, die in einer ZickZack-Bewegung
verläuft. Ob man sich in der Mehrstimmigkeit für diese Stimme an dem Intervallverhältnis
zur Agensstimme (6-6-Seitenbewegung) oder an der Harmonik (Quintfallsequenz) orientiert,
hängt davon ab, ob dieses Modell kontrapunktisch oder harmonisch aufgefasst bzw.
gehört wird:
In der nächsten Abbildung ist eine einfache Verzierung (Diminution von lat. diminuere
= zerkleinern, zerteilen) dieser ZickZack-Stimme in Achteln zu sehen. Durch die
Bewegung unterscheidet sich diese Stimme nun deutlich von den rhythmisch ruhigeren
Synkopenstimmen:
Dieser dreistimmige Satz ist Bestandteil sehr vieler Kompositionen zwischen 1600
und 1900. Seine Beliebtheit basiert nicht zuletzt auf der Tatsache, dass sich alle
drei Stimmen oktavversetzen bzw. vertauschen lassen (= dreifacher Kontrapunkt der
Oktave), ohne dass inakzeptable ›Fehler‹ auftreten. Kennzeichnet man die Agensstimme
durch eine ›1‹, die Patiensstimme durch eine ›2‹ und die ZickZack-Stimme durch eine
›3‹, ist bin der Abbildung oben die Kombination 2-1-3 (von oben nach unten gelesen),
in der Abbildung unten dagegen die Kombination 3-2-1 zu sehen:
Welche Stimmkombination zeigt das folgende Beispiel?
Um alle Möglichkeiten des Stimmtausch auszuschöpfen, sind 3! (6 = 3 x 2 x 1 )
Möglichkeiten zu benennen. Welche Möglichkeiten fehlen noch?
Aufgabe 1
Üben sie alle Kombinationen des dreistimmigen Modells am Klavier:
Der Satz galt im 18. Jahrhundert als besonders Kunstfertig und wurde bereits in
der zeitgenössischen Pädagogik verwendet. In einer deutschen Übersetzung des berühmten
Lehrbuches von
Joseph Fux, der Zeitgenosse Johann Sebastian Bachs war, findet sich zum
Beispiel der folgende Lehrdialog (S. 133) und (in der Notetafel XXVI des Anhangs)
ein dazugehöriges Notenbeispiel:
In einer Originalkompositionen lässt sich der Modellsatz zum Beispiel in dem Präludium
in e-Moll BWV 555 entdecken, das ursprünglich Johann Sebsatian Bachs zugeschrieben
worden ist:
Aufgabe 2
- Analysieren Sie das Präludium in e-Moll BWV 555 und benennen Sie das Auftreten des
Modellsatzes durch Angabe der Takte sowie der entsprechenden Zahlenkombinationen.
- Erstellen Sie einen Tonartenplan, indem Sie alle Tonarten des Stücks benennen, in
denen eine Kadenz stattfindet.
Literatur: